TIEFEN
Die Gesellschaft schlitzt mich auf.
Nimmt mich aus, macht mich krank
höre ich mich fluchen - lächerlich.
Welche Gesellschaft frag ich mich da.
Ich bin doch alleine.
Hier in meiner Wohnung.
Da sitz ich doch alleine drin.
Habe so alte Holzdielen da wohnt einiges drin.
Da bin ich mir sicher..also bin ich doch in
Gesellschaft gesellschaftlich.
Fühl mich eigentlich ganz wohl.
Draußen spielt sich der Rest ab.
Das Leben nehme ich an.
das Leben spielt sich da so ab.
Sagt man ja so.
EBENEN
Dann sitze ich eben in einer kleinen
Eineinhalbzimmerwohnung und liege halb
auf dem Tisch während es um mich herum müllt.
Dann werden meine Füße eben kalt vom vielen
Rauchen und ich würde sie am liebsten ab -
schneiden. Betrachte dies als sinnvoll.
Dann habe ich eben Angst vor nem Herzinfarkt
und bin paranoid. Dann traue ich mich eben
nicht mehr vor die Tür und ans Telefon.
Ich verändere mich eben nicht mehr.
Ich bleibe so. Eben. Auf ewig.
SPITZEN
Gesellschaftsgefickt, ja bin ich.
Heute einer der Tage an denen
es aus tausend Löchern hallt:
So ist nun mal das Leben.
Hätte ich einen spitzen Gegenstand
in Reichweite, ich würde
diese Stadt aufschlitzen!
Donnerstag, 24. März 2011
Stupido/fragment 2
STUPIDO
Ein Nachrichtensprecher fing an zu heulen,
wieso musste ich lachen?
Das kann doch nicht möglich sein,
dass ich da lachen muss.
STIMME 1
Es ist das Lachen, das Lächeln
das zusammenführt, den
einen und den anderen.
STIMME 2
Es ist das, was wir an
dem anderen vermissen,
wenn er nicht mehr ist,
fortgespült vom Leben,
aufgelöst im Fluss,
nass wie die Träne.
STUPIDO
Das wollte ich nicht wissen.
Lasst mich mit so etwas in
Frieden. Bitte!
STIMME 1
Weinend lachen, lachend weinen.
Wenn die Träne in den Mund kullert,
der aufgerissen dasteht,
vor Lachen.
STIMME 2
Blanke Stille. Weg die Zeit,
angehalten. Für einen Moment.
Ein Laut, ein Geräusch, das Lachen,
ein Geräusch das uns fremd ist
und doch vertraut. Eine Seltenheit,
ein Geschenk.
STUPIDO
Es nimmt die falsche Richtung
dieses Gespräch. Ihr versteht nicht.
Er fing an zu heulen,
das ist doch unglaublich, das müsste
man doch mal bemerken.
STIMME 1
Das billigste in teuren Zeiten,
in Zeiten des Hungers,
in schrecklichen Zeiten,
in uns noch unbekannten Zeiten.
STUPIDO
Ich verachte das Lachen!
Ich habe Angst vor dem Lachen.
Da sollten Sie mal drüber nachdenken.
leise Ich vermisse dich!
Stupido starrt ins leere, Musik setzt ein.
Ein Nachrichtensprecher fing an zu heulen,
wieso musste ich lachen?
Das kann doch nicht möglich sein,
dass ich da lachen muss.
STIMME 1
Es ist das Lachen, das Lächeln
das zusammenführt, den
einen und den anderen.
STIMME 2
Es ist das, was wir an
dem anderen vermissen,
wenn er nicht mehr ist,
fortgespült vom Leben,
aufgelöst im Fluss,
nass wie die Träne.
STUPIDO
Das wollte ich nicht wissen.
Lasst mich mit so etwas in
Frieden. Bitte!
STIMME 1
Weinend lachen, lachend weinen.
Wenn die Träne in den Mund kullert,
der aufgerissen dasteht,
vor Lachen.
STIMME 2
Blanke Stille. Weg die Zeit,
angehalten. Für einen Moment.
Ein Laut, ein Geräusch, das Lachen,
ein Geräusch das uns fremd ist
und doch vertraut. Eine Seltenheit,
ein Geschenk.
STUPIDO
Es nimmt die falsche Richtung
dieses Gespräch. Ihr versteht nicht.
Er fing an zu heulen,
das ist doch unglaublich, das müsste
man doch mal bemerken.
STIMME 1
Das billigste in teuren Zeiten,
in Zeiten des Hungers,
in schrecklichen Zeiten,
in uns noch unbekannten Zeiten.
STUPIDO
Ich verachte das Lachen!
Ich habe Angst vor dem Lachen.
Da sollten Sie mal drüber nachdenken.
leise Ich vermisse dich!
Stupido starrt ins leere, Musik setzt ein.
Donnerstag, 17. März 2011
stupido/die Morgen
STUPIDO
In wenigen Tagen ist dein neues Profil
auf Facebook verfügbar.
Damit hast du die Möglichkeit deine Geschichte noch besser
zu erzählen und dich noch besser zu zeigen. Oder so ähnlich.
Es ist erst sechs Uhr in der Früh. Ich drücke es weg.
Du hast eine Einladung zum Kerzen anzünden für Japan, zeige
auf Facebook deine Solidarität und hole dir den -Mit unseren
Gedanken bei den Japanern Button - ich drücke es weg,
beginne mich zu ärgern. Nein noch mehr, ich beginne einen
Ekel zu spüren. Ist jetzt der richtige Moment um sich endlich
abzumelden? Aber das würde ich nicht verkraften. Nicht jetzt.
Nicht ein Mensch wie ich es bin. Der kann das nicht so von heute auf morgen verkraften. Ein Mensch wie ich, der kann gar-nichts von heute auf morgen.
Gestern habe ich im Fernsehen eine käsesüchtige
herzkranke Frau gesehen. Herzkrank wegen Käse.
Schon zwei Infarkte. Wegen Käse. Sie konnte nicht
aufhören. Absurd denke ich mir und öffne mein Profil.
6 uhr 33 - keine neuen Nachrichten. Schade. Egal,
ich wollte mich doch sowieso abmelden. Werde mich
waschen gehen, ich rieche furchtbar, bin gestern
wahrscheinlich vor dem Bildschirm eingeschlafen.
Im Hintergrund N24. Reaktor explodiert, Experten reden.
Muss geträumt haben.
Stupido steht auf und verlässt schleichend die Bühne.
In wenigen Tagen ist dein neues Profil
auf Facebook verfügbar.
Damit hast du die Möglichkeit deine Geschichte noch besser
zu erzählen und dich noch besser zu zeigen. Oder so ähnlich.
Es ist erst sechs Uhr in der Früh. Ich drücke es weg.
Du hast eine Einladung zum Kerzen anzünden für Japan, zeige
auf Facebook deine Solidarität und hole dir den -Mit unseren
Gedanken bei den Japanern Button - ich drücke es weg,
beginne mich zu ärgern. Nein noch mehr, ich beginne einen
Ekel zu spüren. Ist jetzt der richtige Moment um sich endlich
abzumelden? Aber das würde ich nicht verkraften. Nicht jetzt.
Nicht ein Mensch wie ich es bin. Der kann das nicht so von heute auf morgen verkraften. Ein Mensch wie ich, der kann gar-nichts von heute auf morgen.
Gestern habe ich im Fernsehen eine käsesüchtige
herzkranke Frau gesehen. Herzkrank wegen Käse.
Schon zwei Infarkte. Wegen Käse. Sie konnte nicht
aufhören. Absurd denke ich mir und öffne mein Profil.
6 uhr 33 - keine neuen Nachrichten. Schade. Egal,
ich wollte mich doch sowieso abmelden. Werde mich
waschen gehen, ich rieche furchtbar, bin gestern
wahrscheinlich vor dem Bildschirm eingeschlafen.
Im Hintergrund N24. Reaktor explodiert, Experten reden.
Muss geträumt haben.
Stupido steht auf und verlässt schleichend die Bühne.
Freitag, 11. März 2011
FRANCZEK 2
Ich will ehrlich sein,ich bin Kritiker, Theaterkritiker.
Mein Name ist Franczek. Ich stehe kurz vor meinem ersten
Infarkt. Wir schreiben das Jahr 1985.
Ich warte Ewigkeiten, bis sich die Theatergestalten
anfangen zu bewegen.Dazu ertönt eine verkünstelte Version
der deutschen Nationalhymne.Da ich so lange warten muss,
fange ich unweigerlich damit an,über die Bedeutung dieses
einfachen Liedes zu reflektieren. Mein Narzissmus zwingt mich dazu.
Was nun schlussendlich dabei rausgekommen ist,
habe ich selbstredend natürlich vergessen.
Ich habe des reflektieren willens reflektiert,
weil ich eben nichts besseres zu tun hatte und nicht aus
irgendeinem ehrlichen Interesse. Weil das habe ich doch
unter uns gesagt schon längst nicht mehr.
An nichts und niemandem mehr - außer an mir.
Die Kreaturen bewegen sich jetzt..steigen von ihren Leitern.
Sie sind verkleidet, das sieht man, aber warum auch nicht.
ich werde jetzt hier nicht auf diese Art anfangen.
Jemand liegt auf dem Bühnenboden,
den Kopf in meine Richtung gekehrt,
die Augen noch geschlossen,ja, verkleidet.
schmutzige Ballettschuhe.
Die Musik geht aus und
sie öffnet die Augen.
Schaut mich direkt an.
Und ich denke mir wunderbar,
diese Momente liebe ich.
Wenn es scheint, als würde es
im Kern nur um mich gehen,
als wäre es von vornherein
klargewesen, dass ich mich
auf genau den Platz setzen
werde, der sich später in der
direkten Sichtlinie ihres auf dem
Bühnenboden liegenden Kopfes
befinden wird.
Und plötzlich lande ich in einem in die Neuzeit transferierten
Selbstbefriedigungsmonolog einer teuflisch gutaussehenden
Gretchendarstellerin und bekomme meinen alten Mund nicht mehr zu. So komme ich auf das, was ich die ganze Zeit sagen wollte.
Allerspätestens als sich dann auch noch die giraffengroße
Hauptdarstellerin bis auf die Strapse auszog, wurde mir eins klar: Ab dem Moment, an dem ich Titten sehe, habe ich auf unbestimmte Zeit keine Lust mehr auf Politik. Niemals.
An eine Vorstellung, die ich zwei Wochen zuvor
an anderer Stelle verlassen hatte,
konnte ich mich noch immer erinnern –
an die wunderschönen Titten dieser,
im Bühnenbild hängenden, nackten Frau
deus ex machina.
Mein Name ist Franczek. Ich stehe kurz vor meinem ersten
Infarkt. Wir schreiben das Jahr 1985.
Ich warte Ewigkeiten, bis sich die Theatergestalten
anfangen zu bewegen.Dazu ertönt eine verkünstelte Version
der deutschen Nationalhymne.Da ich so lange warten muss,
fange ich unweigerlich damit an,über die Bedeutung dieses
einfachen Liedes zu reflektieren. Mein Narzissmus zwingt mich dazu.
Was nun schlussendlich dabei rausgekommen ist,
habe ich selbstredend natürlich vergessen.
Ich habe des reflektieren willens reflektiert,
weil ich eben nichts besseres zu tun hatte und nicht aus
irgendeinem ehrlichen Interesse. Weil das habe ich doch
unter uns gesagt schon längst nicht mehr.
An nichts und niemandem mehr - außer an mir.
Die Kreaturen bewegen sich jetzt..steigen von ihren Leitern.
Sie sind verkleidet, das sieht man, aber warum auch nicht.
ich werde jetzt hier nicht auf diese Art anfangen.
Jemand liegt auf dem Bühnenboden,
den Kopf in meine Richtung gekehrt,
die Augen noch geschlossen,ja, verkleidet.
schmutzige Ballettschuhe.
Die Musik geht aus und
sie öffnet die Augen.
Schaut mich direkt an.
Und ich denke mir wunderbar,
diese Momente liebe ich.
Wenn es scheint, als würde es
im Kern nur um mich gehen,
als wäre es von vornherein
klargewesen, dass ich mich
auf genau den Platz setzen
werde, der sich später in der
direkten Sichtlinie ihres auf dem
Bühnenboden liegenden Kopfes
befinden wird.
Und plötzlich lande ich in einem in die Neuzeit transferierten
Selbstbefriedigungsmonolog einer teuflisch gutaussehenden
Gretchendarstellerin und bekomme meinen alten Mund nicht mehr zu. So komme ich auf das, was ich die ganze Zeit sagen wollte.
Allerspätestens als sich dann auch noch die giraffengroße
Hauptdarstellerin bis auf die Strapse auszog, wurde mir eins klar: Ab dem Moment, an dem ich Titten sehe, habe ich auf unbestimmte Zeit keine Lust mehr auf Politik. Niemals.
An eine Vorstellung, die ich zwei Wochen zuvor
an anderer Stelle verlassen hatte,
konnte ich mich noch immer erinnern –
an die wunderschönen Titten dieser,
im Bühnenbild hängenden, nackten Frau
deus ex machina.
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