Sonntag, 25. September 2011

mir war als vernahm ich wahrheit / zitat

vor einiger zeit hörte ich einen alten, bereits verstorbenen dichter sagen:

if saving humanity is not a person`s only goal,
nor does he know or recognize the pain of the masses,
this person is not an intellectual,
but a thief who has come with a lantern.

Dienstag, 28. Juni 2011

eine frau mit roten hosen

hab glaub meine aura verbessert-
ganz ohne arznei.
aus tausend augen sehen
mich jetzt seelen an,
und gehen
müde trübe
glasig verwässert
still
an mir vorbei.

Und nun erscheints
mir unsinnig.
Was hat`s genutzt,
war es freiwillig?
Was weiß denn ich,

ich war einfach noch nicht soweit diesen schritt zu gehen
und auch sonst hatte ich innerlich das gefühl, dass ich
mich jemandem anschließen muss, dass ich einen Stern
brauche der mich beschützt.

Also jetzt nicht sowas wie Baghvan oder so, aber schon
in die Richtung-spirituell eben, und gleichzeitig doch
auch irgendwo ungezwungen. Also nicht dieses typische
Bild einer Religion. im schlimmsten fall jetzt der
katholischen oder so. Eben.

Um mich also auch auf spiritueller Ebene auf diesen Schritt
noch mehr vorzubereiten, suchte ich im Internet und
schaute so im Freundeskreis nach, ob ich da
irgendwas in die Richtung aufschnappen konnte.

Und ein langjähriger Freund, gab mir dann bei einem Treffen
der Linken Kreuzbergdruffies e.v. - das ist da wo er halt
arbeitet, die Nummer von einem Menschen aus Bayern,
der da ganz in der nähe vom Chiemsee wohnt.

Der war früher auch in Lhasa gewesen, in Nepal und Tibet.
hat mit Lama Dorjee schon Moxastäbe gerollt und so.
Eben einer der da spirituell auch schon etwas mehr Erfahrung
hatte als ich.Ich fuhr zu ihm runter, und dann ging alles ganz ganz-
ganz schnell.

Dienstag, 3. Mai 2011

angstschweiß

ein mann sitzt in seiner verglasten sauna im obergeschoss, schwitzt wie ein wahnsinniger und zittert zugleich. die verglaste front ist beschlagen. er monologisiert:

dass ich jetzt hier sitze das ist kein zufall / eigentlich setze ich mich jeden tag nach der arbeit und vor einer guten dusche hier rein ins schweißhaus aber heute ist das anders /
immer schon wollte ich alles aus mir rauslassen / meine ganzen probleme den schmerz alles was mich belastet den ganzen scheiß den ganzen schmutz dieses ganze verlogene / alles getue alles was ich die letzten jahre von mir gegeben alles was ich aufgebaut habe / diese ganzen ideologien die eigentlich gar nichts rein gar nichts mit mir zu tun haben mit meinen sehnsüchten mit meinen träumen meinen träumen von mir / von freiheit / meine angst alles einfach rauszuschwitzen und vergessen / ja das ist richtig ich habe dir verschwiegen dass ich mich jeden zweiten donnnerstag auf die couch setze bei dr. heinemann seit zwei jahren schon / ja habe immer gesagt ich gehe zum golf / aber auch das eine einzige scheiße die couch / was soll dir eine couch auch helfen hab ich dann später...ja es ist richtig dass ich mit kollegen touren zum steintor mache ab und an ins eros ja das stimmt / es ist eklig damit leben zu müssen aber was soll ich tun war ja auch meine entscheidung / dieses haus hat uns kaputt gemacht verstehst du petra kaputt / ja das ist so was soll ich mir da weiter was vormachen / ich höre leute sagen was hast du denn du du hast doch alles was du brauchst und früher wie begeistert du immer warst von diesem haus von der offenheit und du michael du bist doch auch so ein offener typ so zugänglich und offen ja einfach nur offen sagst was du denkst verurteilst keinen ja so ist das / fickt euch ja fickt euch doch alle ins knie so ganz offen gesagt freunde ha freunde das ich nicht lache profitiert habt ihr profitiert / hat mich einer von euch jemals in den arm genommen mich gefragt wie es aussieht hinter diesen fenstern / squash ja michael gehen wir zum squash am freitag wie siehts aus michael kannst du mir nicht vielleicht und könntest du nicht vielleicht und könntest du mir nicht da und...fehlt da nicht die olive im martini hahaha wolltest du nicht den cocktailempfang machen anfang diesen monats was ist mit petra wollte sie nicht und ihr ihr seid so ein tolles paar ja ein so tolles offenes paar seid ihr / und dass ihr jetzt auch gespendet habt das finden wir klasse / wolltest du nicht wie siehts aus michael wie siehts aus mit dem wie siehts aus mit dem / wie es aussieht wolllt ihr das wirklich wissen wie es aussieht / scheiße beschissen sieht es aus / wie siehts aus pah freunde nennt ihr euch freunde das ich nicht lache hyänen seit ihr / blutegel würmer die an mir saugen mich bis aufs letzte ausnehmen / tabletten nehme ich wie ein geisteskranker wie ein irrer / tabletten muss ich nehmen damit ich nicht das gewehr nehme / dabei bin ich doch nicht irre ich bin doch nicht irre nur etwas labil sagt
dr. heinemann labil / was soll das heißen labil was ist mit mir / kann mir das vielleicht einer von euch sagen was mit mir ist / scheißtabletten machen mich vollkommen gaga / diese scheißtabletten zu nehmen damit es nicht noch schlimmer wird und zu merken wie die konzentration flöten geht / bin mit den zahlen hinterher war ja kein wunder dass das irgendwann passiert lebe ja auch in diesem glassarg wie das tote schneewittchen / und ihr ihr freunde ihr seid die zwerge die immer nur verlangen verlangen verlangen und mir ein glück vorgaukeln das da nicht ist / eine fata morgana seid ihr und ich bin am verdursten weil es hier so scheiß heiß ist / ist doch absurd / offen wollte ich sein offen / dachte alles würde seinen weg nehmen habe den vertrag unterschrieben damals baustein für baustein mit eigenem namen im querbalken zehn jahre ist das her zeeehn jaaahre / hätte ja nicht ahnen können dass das alles so kommt / alles gute wünschen wir ihnen trotzdem für ihre zukunft / was sollte ich da noch entgegnen was soll man da sagen da bleibt einem doch die luft weg / aber ich habs ja geahnt was soll ich sagen / sind die tabletten oder was / ist ja lächerlich / bin rausgetorkelt aus dem raum runter in die tiefgarage zum auto / hab eine ewigkeit darin gesessen beide hände starr am lenkrad dein bild am rückspiegel / kenne dich nicht kenne dich doch garnicht mehr / wie soll ich dir das erzählen petra / wie sage ich dir das / und ich schaue in den rückspiegel / was ist mit der bank was ist mit der hypothek mit dem haus / ab zum steintor ins eros hab mir den schwanz wundgefickt aber etwas gemerkt habe ich erst als ich raus bin / auf die straße gekotzt den ganzen fusel den asti den ouzo die intimlotion der bulgarin und das billige parfüm alles raus / wie jetzt
dann eine halbe ewigkeit gebraucht um nach hause zu kommen / erst die autobahn runter dann wieder hoch dann an den flughafen kurz überlegt ob ich beende dann doch nicht.

die sauna war immer mein platz im haus wenn ich einen moment ruhe haben wollte vor der welt dann bin ich hier hin in die sauna / schwitzen schwitzen bis alles raus war die ganze scheiße / der ganze schmutz die büroklammern der asbest der bildschirm und die tastatur die kollegen und mein erbärmliches dasein in einem wisch einfach alles rausschwitzen / und rausschauen auf meinen garten / das ging hier immer sehr gut ich habe es immer genossen rauszusehen auf die tomaten und die olive / petras idee / meditteranes flair wie sie immer gesagt hat / ihr war nichts gut genug und mir war alles scheißegal hauptsache sie war glücklich und irgendwann irgendwann wars mir nur noch scheißegal / aber jetzt jetzt fühle ich mich so als könnte ich schwitzen und ewig weiterschwitzen und noch einen aufguss und noch eine stufe höher bis ich da hänge wie ein reifen bei dem man die luft rausgelassen hat / das würde alles nichts bringen / ich schätze ich habe einfach angst angst dass es das jetzt gewesen ist dass ich so ende wie der durchschnitt wie all die anderen dass würde heinemann jetzt sagen der sack / der geldsack selbstgefälliger / ich wollte nie so sein wie die anderen damals schon nicht als kleiner hiwi in bochum niemals / das hatte ich immer schon gesagt / ich hatte größeres vor ja klingt vielleicht arrogant / abgehoben / aber wer hat das nicht / wer bitteschön will durchschnitt sein wer / gut wie soll ich ihr das sagen / was stellst du dir vor wie soll das laufen jetzt wer soll das alles abzahlen kannste vergessen / ich bin den job los in meinem alter kannste vergessen so / jetzt weißte es / keine chance mehr die brauchen mich nicht mehr / einkürzungen in der ganzen abteilung da ist nichts zu machen gar nichts / willst du etwa arbeiten gehen jetzt / willst du tauschen ist doch ein witz / was willste machen putzen ha / das wars petra der traum ist aus paff platz weg isser / so schnell kanns gehen ja schau mich nicht so an / was haste gedacht dass das ewig gut geht / ich habe dir von vornherein gesagt dass da ein risiko ist aber du wolltest unbedingt dieses haus und kein anders / offen sein / in die natur schauen / gut wir wollten das / das war unsere einzige basis was soll ich sagen das war so / hör auf zu weinen das war so / aber was nützt dir die natur wenn du pleite bist petra / wenn du dein leben lang abzahlst was / was nützt dir das / ich kann so nicht mehr / ich fühle mich scheiße verstehst du das scheiße / lass mich ich benutze die worte die ich für richtig halte / ich zünde die sauna an petra ich zünde sie an / wer zum teufel braucht saunen wer zum henker braucht eine sauna in die man reinschauen kann / soll jeder meinen schwanz sehen jetzt wo ich ihn nicht mehr spüre und dieses glas dieses ganze glas weißt du was diese glas mit mir macht das durchtrennt meine venen petra verstehst du das / die scherben die stecken mir im körper und ich verblute vor deinen augen nicht erst seit heute / wenn ich nicht schlafen kann und zur packung greife schon seit wochen / ich habe es dir nicht gesagt aus rücksicht aber du hast dich ja auch nicht gewundert warum ich länger wegbleibe / dieses ganze glas dieses ganze offene glas hat ignoranten aus uns gemacht und wir haben dabei zugeschaut und sind blind geworden / hast mir die ganzen lügen dankend abgenommen weil du dich nicht mehr für mich interessierst schon lange nicht mehr petra mach dir nichts vor mach mir bitte nichts vor / ich bin nicht blöd ich werde dieses haus anzünden und dich gleich mit weil die scherben zu tief in mir stecken / das ist kein pathos petra das bin ich ob es dir passt oder nicht / mein körper ist zerschnitten verstehst du ich kann kein glas nicht mehr / ich will kein licht mehr ich will es dunkel hör bitte mit diesem offenheitsgefasel auf / du bist doch die verlogenste sau von allen / ich weiß bescheid ich weiß wie offen du bist ich weiß alles über dich und jorge und mallorca und der finca und dem neuen leben / ich schau dir schon lange ins handy hör auf zu heulen / nicht dass ich besser wäre / ich weiß ich bin eine drecksau ich mache da kein geheimnis mehr draus / wenn ich 20 jahre jünger wäre / das glaubst du doch wohl selber nicht habe sie alle durch / die ganzen praktikantinnen und hostessen auf der messe / ging nicht immer ums geld was denkst du denn / millionärstöchter / reiche witwen scheißegal hab sie alle durch hauptsache einen wegstecken / dich kann man doch nicht mehr ficken / schau doch wie du aussiehst wie du dich gehen lässt großen respekt vor jorge aber der will eh was anderes / ich ekel mich schon seit langem und nach jedem mal gehe ich in die sauna um den ganzen ekel rauszuschwitzen und ich schaue schwitzend auf den vorgarten und bekomme das kotzen weil ich dich hasse und alles um dich und um uns herum und das ganze glas das hasse ich / ja ich hasse dich / und das was du auf meiner stirn siehst das ist angstschweiß und die angst muss weg jetzt.

Sonntag, 1. Mai 2011

morgens

Halbweißer Schneeregen auf
grauem Asphalt bestimmte
seinen frühmorgendlichen
Blick aus dem Fenster.
Statt der Sonne, war es jetzt
ein kalter Wind, der plötzlich
sein verrauchtes Zimmer
flutete. Der ausgestoßene
Dunst zog nun größere
Kreise in der Luft als noch
vor kurzem. Der Wind
trieb ihn an.

Donnerstag, 24. März 2011

die tröstliche tragödie

TIEFEN
Die Gesellschaft schlitzt mich auf.
Nimmt mich aus, macht mich krank
höre ich mich fluchen - lächerlich.
Welche Gesellschaft frag ich mich da.
Ich bin doch alleine.
Hier in meiner Wohnung.
Da sitz ich doch alleine drin.
Habe so alte Holzdielen da wohnt einiges drin.
Da bin ich mir sicher..also bin ich doch in
Gesellschaft gesellschaftlich.
Fühl mich eigentlich ganz wohl.
Draußen spielt sich der Rest ab.
Das Leben nehme ich an.
das Leben spielt sich da so ab.
Sagt man ja so.

EBENEN
Dann sitze ich eben in einer kleinen
Eineinhalbzimmerwohnung und liege halb
auf dem Tisch während es um mich herum müllt.
Dann werden meine Füße eben kalt vom vielen
Rauchen und ich würde sie am liebsten ab -
schneiden. Betrachte dies als sinnvoll.
Dann habe ich eben Angst vor nem Herzinfarkt
und bin paranoid. Dann traue ich mich eben
nicht mehr vor die Tür und ans Telefon.
Ich verändere mich eben nicht mehr.
Ich bleibe so. Eben. Auf ewig.

SPITZEN
Gesellschaftsgefickt, ja bin ich.
Heute einer der Tage an denen
es aus tausend Löchern hallt:
So ist nun mal das Leben.
Hätte ich einen spitzen Gegenstand
in Reichweite, ich würde
diese Stadt aufschlitzen!

Stupido/fragment 2

STUPIDO
Ein Nachrichtensprecher fing an zu heulen,
wieso musste ich lachen?
Das kann doch nicht möglich sein,
dass ich da lachen muss.

STIMME 1
Es ist das Lachen, das Lächeln
das zusammenführt, den
einen und den anderen.

STIMME 2
Es ist das, was wir an
dem anderen vermissen,
wenn er nicht mehr ist,
fortgespült vom Leben,
aufgelöst im Fluss,
nass wie die Träne.

STUPIDO
Das wollte ich nicht wissen.
Lasst mich mit so etwas in
Frieden. Bitte!

STIMME 1
Weinend lachen, lachend weinen.
Wenn die Träne in den Mund kullert,
der aufgerissen dasteht,
vor Lachen.

STIMME 2
Blanke Stille. Weg die Zeit,
angehalten. Für einen Moment.
Ein Laut, ein Geräusch, das Lachen,
ein Geräusch das uns fremd ist
und doch vertraut. Eine Seltenheit,
ein Geschenk.

STUPIDO
Es nimmt die falsche Richtung
dieses Gespräch. Ihr versteht nicht.
Er fing an zu heulen,
das ist doch unglaublich, das müsste
man doch mal bemerken.

STIMME 1
Das billigste in teuren Zeiten,
in Zeiten des Hungers,
in schrecklichen Zeiten,
in uns noch unbekannten Zeiten.

STUPIDO
Ich verachte das Lachen!
Ich habe Angst vor dem Lachen.
Da sollten Sie mal drüber nachdenken.

leise
Ich vermisse dich!

Stupido starrt ins leere, Musik setzt ein.

Donnerstag, 17. März 2011

stupido/die Morgen

STUPIDO
In wenigen Tagen ist dein neues Profil
auf Facebook verfügbar.

Damit hast du die Möglichkeit deine Geschichte noch besser
zu erzählen und dich noch besser zu zeigen. Oder so ähnlich.
Es ist erst sechs Uhr in der Früh. Ich drücke es weg.
Du hast eine Einladung zum Kerzen anzünden für Japan, zeige
auf Facebook deine Solidarität und hole dir den -Mit unseren
Gedanken bei den Japanern Button - ich drücke es weg,
beginne mich zu ärgern. Nein noch mehr, ich beginne einen
Ekel zu spüren. Ist jetzt der richtige Moment um sich endlich
abzumelden? Aber das würde ich nicht verkraften. Nicht jetzt.
Nicht ein Mensch wie ich es bin. Der kann das nicht so von heute auf morgen verkraften. Ein Mensch wie ich, der kann gar-nichts von heute auf morgen.

Gestern habe ich im Fernsehen eine käsesüchtige
herzkranke Frau gesehen. Herzkrank wegen Käse.
Schon zwei Infarkte. Wegen Käse. Sie konnte nicht
aufhören. Absurd denke ich mir und öffne mein Profil.
6 uhr 33 - keine neuen Nachrichten. Schade. Egal,
ich wollte mich doch sowieso abmelden. Werde mich
waschen gehen, ich rieche furchtbar, bin gestern
wahrscheinlich vor dem Bildschirm eingeschlafen.
Im Hintergrund N24. Reaktor explodiert, Experten reden.
Muss geträumt haben.

Stupido steht auf und verlässt schleichend die Bühne.

Freitag, 11. März 2011

FRANCZEK 2

Ich will ehrlich sein,ich bin Kritiker, Theaterkritiker.
Mein Name ist Franczek. Ich stehe kurz vor meinem ersten
Infarkt. Wir schreiben das Jahr 1985.

Ich warte Ewigkeiten, bis sich die Theatergestalten
anfangen zu bewegen.Dazu ertönt eine verkünstelte Version
der deutschen Nationalhymne.Da ich so lange warten muss,
fange ich unweigerlich damit an,über die Bedeutung dieses
einfachen Liedes zu reflektieren. Mein Narzissmus zwingt mich dazu.

Was nun schlussendlich dabei rausgekommen ist,
habe ich selbstredend natürlich vergessen.
Ich habe des reflektieren willens reflektiert,
weil ich eben nichts besseres zu tun hatte und nicht aus
irgendeinem ehrlichen Interesse. Weil das habe ich doch
unter uns gesagt schon längst nicht mehr.
An nichts und niemandem mehr - außer an mir.

Die Kreaturen bewegen sich jetzt..steigen von ihren Leitern.
Sie sind verkleidet, das sieht man, aber warum auch nicht.
ich werde jetzt hier nicht auf diese Art anfangen.
Jemand liegt auf dem Bühnenboden,
den Kopf in meine Richtung gekehrt,
die Augen noch geschlossen,ja, verkleidet.
schmutzige Ballettschuhe.

Die Musik geht aus und
sie öffnet die Augen.
Schaut mich direkt an.
Und ich denke mir wunderbar,
diese Momente liebe ich.
Wenn es scheint, als würde es
im Kern nur um mich gehen,
als wäre es von vornherein
klargewesen, dass ich mich
auf genau den Platz setzen
werde, der sich später in der
direkten Sichtlinie ihres auf dem
Bühnenboden liegenden Kopfes
befinden wird.

Und plötzlich lande ich in einem in die Neuzeit transferierten
Selbstbefriedigungsmonolog einer teuflisch gutaussehenden
Gretchendarstellerin und bekomme meinen alten Mund nicht mehr zu. So komme ich auf das, was ich die ganze Zeit sagen wollte.

Allerspätestens als sich dann auch noch die giraffengroße
Hauptdarstellerin bis auf die Strapse auszog, wurde mir eins klar: Ab dem Moment, an dem ich Titten sehe, habe ich auf unbestimmte Zeit keine Lust mehr auf Politik. Niemals.

An eine Vorstellung, die ich zwei Wochen zuvor
an anderer Stelle verlassen hatte,
konnte ich mich noch immer erinnern –
an die wunderschönen Titten dieser,
im Bühnenbild hängenden, nackten Frau
deus ex machina.

Mittwoch, 26. Januar 2011

FRANCZEK 1

Franczek. Bernard Franczek. Bernard - ohne h, also eigentlich Bernard (spricht es französisch aus).
Bin ja eigentlich auch französischer Herkunft. Will heißen halb französisch, halb polnisch.
Kennen Sie Napoleon? (schnalzt mit der Zunge)

Montag, 10. Januar 2011

Der Tag des Herrn X

In drei Tagen habe ich Geburtstag, ich werde alt.

Ich sitze halbnackt an einem Tisch in einem Innenstadtcafe.
(Sehr modern). Ich habe einen Cappuccino bestellt, der seit zehn Minuten auf sich warten lässt. Mit mir sitzen noch genau vier andere Gäste hier in diesem Cafe. Um genau zu sein zwei Paare. Keine Liebespaare. Ich meine vier Menschen zu jeweils zwei. Also zwei Minigrüppchen sozusagen.Interessiert mich nicht. Ich sitze unruhig und streiche immer wieder die Tischdecke glatt, denn ich bin nun mal so. Ich bin so einer, ja, so einer mit Zahlen. Einige Leute sagen ich schaue manchmal krank in der Gegend rum. Aber das sieht nur so aus, das ist weil ich zählen muss.Es ist eine von diesen Tischdecken aus einem sehr unangenehmen Material, das sich anfässt wie Creppapier, mit dem wir früher im Kindergarten gebastelt haben. Bastelstunde bei Frau Reinert. Ich habe eine Schere in der Hand. Ich schließe die Augen und halte mir die Schere vom Körper und schnappe sie auf und wieder zu. Auf und wieder zu. Ich spüre den Windstoß an meiner Haut, während ich mit der Schere rumfuchtel. In der Luft. Von links nach rechts und wieder zurück. In der Luft. Ein Mädchen deren Namen ich vergessen habe, sie hat schulterlange braune Haare und ist, so wie ich, circa - es müssten fünf Jahre, ja fünf - fünf Jahre alt, hält aus unerklärlichen Gründen ihren Finger hin und die Schere erwischt sie, sie blutet. Das erste Blut meines Lebens, vielleicht auch das zweite. Vielleicht das erste Blut ihres Lebens. Vielleicht. Vielleicht eine Verbindung denk ich mir da so. Das ist eine meiner ersten Erinnerungen. Ich bin auch mal kopfüber vom Dreirad gefallen. Aber das ist eine komplett andere Geschichte.Ich streiche immernoch über die klebrige Tischdecke. Der Cappuccino kommt angewackelt - schulterlange braune Haare, adrett. Wo ich denn herkäme. Ich war unterwegs gewesen - leider. Einer von diesen Tagen an dem man den Himmel nicht sieht, nur graue Schlieren. Einer der Tage, an dem man sich wünscht, dass es endlich anfängt zu regnen, damit man weiß dass da oben verdammt nochmal der Himmel ist.

"Entschuldige bitte. Meine Hände sind feucht."