Sonntag, 16. Mai 2010

Nacht-Wache

I.

Erster Tag

Es ist diese Art von Regen die konstant ist.
Die dich gleichmäßig nass macht.
Das ist die schlimmste Art Regen finde ich.
Ich werde gleichmäßig nass.
Feierabend.

Meine Kabine.
Die Zeitung, der Kaffee, die Bücher, die Zimmerschlüssel.
Ich mache kein Auge zu. Nein, ich mache kein Auge zu.
Der Reinigungseimer, der Kühlschrank, das Radio.
Ich darf nicht, ich habe Nachtwache.
Meine Bewährungsprobe Heute meint mein Chef.
Er hat eine Glatze.
Dreißig Iren, sturzbesoffen. Zehn Stunden.
Alles in einem tiefen Atemzug hinter mir gelassen.

Ich komme raus auf die Straße, zünde die Zigarette an und stehe plötzlich in
taghellem, unaufhörlichem Regen. Die Augen zukneifen, Fünf Minuten bis zur Haltestelle. Die ist überdacht. An Dönerbuden und Pizzaläden vorbei, sehe ich die Ratten mit den feuchten Haaren betäubt in die Reste beißen. Sie zahlen zu viel-ein gutes Geschäft. Alles riecht nach Ethanol.

Samstag morgen.
Ich hätte keine Stunde früher Schicht machen dürfen.
Ich hätte alles verpasst.
Ich hätte das Gefühl verpasst,
alles verpasst zu haben.
Meine momentane Existenz:
Eine einzige Gegenbewegung.

Überreste der Nacht.
Flaschen, Taschentuchfetzen, Kippen und Stummel.
Scherben, Pistazienschalen,eine Socke und festgetretene Kaugummis.
Urin und Spucke bahnen sich ihre Wege auf dem Stein.
Dann plötzlich Tauben. Tauben?
Tatsächlich. Eine weiße Taube!
Unbekümmert pickt sie den Dreck der letzten paar Stunden
vom Bahnsteigrand - Die Bahn fährt ein - und wirbelt sie, wie eine verlorene Zetungsseite, auf den Giebel hoch oben.
Mit meinem Einsteigen, fängt sie an sich zu putzen.

Und ich denke mir
Kitsch pur!
Aber nach einigen Metern
muss ich damit hadern

w i e ich eingestiegen bin.

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