Personen:
Ralf und Tatjana Häberle - Ehepaar
Thomas und Vera Langenscheidt - Ehepaar
Alle um die Vierzig Jahre alt.
I.
Die Häberles sitzen bei den Langenscheidts am Kaffeetisch.
Die Eheleute stochern in ihrem Kirschkuchen.
Thomas: Jajaja... wir waren jetzt vorigen Sommer in Afrika -
zum Hiken und Raften. Und Urlaub natürlich.
Tatjana: Sport und Urlaub - klingt echt super.
Ralf: Ist wahrscheinlich das Gesündeste was man machen kann.
Vera: Wenn man sich im Urlaub nur nicht immer so gehen lassen würde.
Tatjana: Ja! Diese riesigen Buffets!
Thomas: Da geben sich die Einheimischen immer sehr viel Mühe.
Aber das ist Afrika.
Schlimm dort - gesellschaftlich.
Man könnte sagen, wo der Buffettisch endet, fängt die beinharte Realität an.
Vera sanft: das hast du schön gesagt! geht in die Küche.
Thomas: Ich meine die Armut, die hohe Aidsrate und so weiter, in Malawi bei über 30%.
Tatjana: Jaja, das stimmt natürlich. Schlimm.
Ralf abwesend: Ja.
Thomas: Hmm... schreit Veraaaaa!!
Vera aus der Küche: Ja?
Thomas: Sag mal, hast du die Garage zugesperrt?
Vera: Oh, da muss ich nochmal schauen! Gut dass du mich daran erinnerst.
Thomas: Ja, Afrika. Vera und ich...wir haben da was gespendet.
Ralf: Wirklich?
Thomas: Für Waisenkinder.
Tatjana: Wow! D a s ist ja toll. Wir haben so was noch nie gemacht. Naja, ich meine leisten könnten wir es uns eventuell schon, aber...ach ich weiß nicht ob das da auch ankommt und so weiter. Wie du sagst Thomas, Afrika ist eben... Afrika.
Thomas: Ja, aber zum Beispiel, ich meine dieser, wie heißt er gleich? in Äthiopien der..
Tatjana: Ja ich weiß wen du meinst.
Ralf: Böhm!
Thomas: Haargenau....Menschen für Menschen.
Tatjana: Ja, tolle Sache. Stimmt, Böhm.
Sag mal Ralf, was hälst du davon?
Wäre doch eine nette Idee, oder?
Ralf: Nein lass gut sein, ich schicke da keine müde Mark hin. aggressiv Das sind doch alles-
Tatjana: - Ja, wie du meinst. leise zu Thomas Ich hätte gerne einen Kaffe. wenn einer da ist.
Thomas: Vera! Ach, die ist ja in der Garage. Ich setze kurz einen auf. geht in die Küche.
Tatjana flüstert: Sag mal kannst du dich nicht einmal ein wenig zusammenreißen?
Ralf: Das kotzt mich einfach an....und du machst da auch noch mit bei diesem Gesülze!
"Das wäre doch eine nette Idee Ralf oder?" Was soll das, du weißt ganz genau dass ich damit nicht klar komme. ich hasse dieses elendige, verlogene Gutmenschengetue.
Tatjana: Ja ich weiß, es tut mir leid...ich dachte es würde vielleicht gut ankommen...
ich hatte nicht daran gedacht dass du da so reizbar bist in dem Moment.
Ach übrigens-
Thomas kommt zurück: -So, Kaffee wäre dann aufgesetzt. lacht dämlich
Was macht denn die Vera da so lange in der Garage?
Tatjana und Ralf: hmm.
Thomas: - Auf jeden Fall tut es gut, Gutes zu tun.
Stille
Thomas sucht etwas auf dem Wohnzimmertisch, holt eine Broschüre vor, liest:
Thomas: M-l-i-n-g-a. Dr. Immanuel Mlinga, Pastor.
Tatjana und Ralf: Was?
Thomas: Dr Immanuel Mlinga - Das ist der Pastor von Zomba. Da wo wir waren , also das Hotel. Zomba bedeutet übrigens Flusspferd auf Chichewa , das ist die Landessprache.
Tatjana: Interessant!
Thomas: Dr. Mlinga leitet diese Organisation.
Tatjana: Aha, welche Organisation?
Thomas: Na die, wo wir gespendet haben. A propos, die Region heißt nicht umsonst so. Manchmal haben die in der Hotelbar übernachtet, die Hippos. Das muss man sich mal vorstellen.
Nicht ganz ungefährlich für die Gäste. Afrika...
Ralf genervt: ...ist halt Afrika. Unglaublich!
Vera kommt mit dem Kaffee aus der Küche. Sie trägt jetzt einen afrikanischen Kaftan.
Thomas und Tatjana begeistert: Oooh!
Vera: So der Kaffee ist fertig. zu Tatjana Ist schön, oder? Das ist von unserem Ausflug nach Lilongwe! Da kann ich dir nacher noch ein paar Fotos zeigen! zwinkert ihr zu, stellt den Kaffe auf den Tisch. Ich musste ganz alleine zum Shoppen.
Thomas: Ja,Lilongwe...da hatte ich fürchterliches Magen-Darm an dem Tag.
Vera: Ach da ist ja die Broschüre. verträumt Hat er euch schon von Mister Mlinga erzählt?
Ralf: Ja!
Vera: Das war da in diesem Restaurant?! Wie hieß das gleich? Ist ja auch egal.
Auf jeden fall aßen wir Chambo. Eine Fischspezialität.
Rotbarsch, Tomaten und so weiter-Eintopf. Lecker! Himmlisch Tati, himmlisch!
Naja, Mister Mlinga, ein sehr großer schlanker Mann, hat sich dann neben uns gesetzt und wisst ihr was? Er hat uns auf deutsch angesprochen!
Thomas: Da waren wir mit dem Essen natürlich schon fertig. lacht
Vera: Und sowas von freundlich, da träumst du hierzulande nur von.
So kamen wir ins Gespräch und, ja, Mlinga ist Pastor und gleichzeitig Leiter dieser Entwicklungshilfeorganisation für Malawi.
Thomas: Hat auch schon mal in Deutschland gelebt. Hier in der Nähe sogar, Rottweil.
Vera: Dann lud er uns noch zu sich nach Hause ein - zum Tee.
Seine Frau ist auch Ärztin,
aber die verdienen da bei weitem nicht...
also das kannst du finanziell gesehen gar nicht miteinander vergleichen.
Thomas: Nein, das kannst du nicht vergleichen.
Vera: Auf jeden Fall konnten wir da dann auch die afrikanische Kultur mal hautnah erleben.
Sonst waren wir ja die meiste Zeit in unserer Anlage.
Alles sehr bescheiden eingerichtet bei denen.....aber so schön, Tati.
Ja, und dann hat er uns natürlich von den vielen Projekten erzählt die er gerade betreut, also
Brunnenbau, Kinderheime und so weiter.
Und Ihr beide habt ja dann auch noch
bis in die Nacht philosophiert.
Thomas: Ja. Mit einem promovierten Theologen geht das natürlich ganz gut.
Du hast es ja nicht lange ausgehalten. lacht.
Vera: Ich war hundemüde
Thomas: Und am nächsten Tag sind wir morgens aufgestanden und direkt nach dem
Frühstück haben wir uns gesagt: Ja, da geben wir was hin, das ist eine gute Sache,
den unterstützen wir.
Vera: Man kann eben doch etwas tun, etwas verändern. Auch wenn es nur im Kleinen ist.
Thomas leise zu sich: Genau so ist es.
Ralf: Gibt es noch Kuchen?
II.
Die Häberles liegen in ihrem Bett und hören die Abendnachrichten im Radio.
Ralf: Bin ich froh wieder zu hause zu sein. Was für ein Tag!
Tatjana: Zum Schluss sind die mir auch nur noch auf die Nerven gegangen.
Ralf: Idioten!
Tatjana stellt das Radio lauter
Radiostimme: Vor den Spendensammlungsaktivitäten des malawischen Staatsbürgers
Immanuel Mlinga, der sich seit 15. Dezember 1997 in Deutschland und im benachbarten europäischen Ausland aufhält, wird nachdrücklich gewarnt.
Immanuel Mlinga, der sich unberechtigterweise manchmal auch Professor oder Dr. Mlinga nennt, wurde 1984 in Zomba, Malawi, zum katholischen Priester geweiht;
1996 jedoch vom Bischof der verantwortlichen Diözese vom Priesteramt suspendiert.
Mlinga studierte Zwei Jahre an der Kirchenmusikschule in Rottweil, jedoch ohne einen Abschluß zu erwerben. In der Zeit erschloß er sich allerdings über seine seelsorglichen und musikalischen Aktivitäten zahlreiche Freundes- und Förderkreise, vor allem in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand ist anzunehmen,
daß Immanuel Mlinga bis heute Spenden in beträchtlicher Höhe zugeflossen sind.
Die Projekte, mit denen sie eingeworben wurden, kamen vielfach über den Status von Ideen nicht hinaus.
Mlinga steht im begründeten Verdacht, ein Hotel, mehrere Mietshäuser, eine Agrarhandelsfirma sowie zwei Privatautos zu besitzen.
Pause
Donnerstag, 20. Mai 2010
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Endlich hab ich's gelesen!
AntwortenLöschenKomisch, die einen machen nichts, die anderen sind zu naiv - trostlos. Und Mlinga die Socke ist der Sieger. Das nenn ich politisch correct...
;)
(Und die Haikus hauen rein, schöne lyrische Form)
Fast hätt ich's vergessen: I LIKE!
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