Am Rande eines Theaterfestivals.
Auftritt Theaterfestival
Menschen aller Couleur, sich unterhaltend, Sektgläser aneinanderstoßend, lachend, lächelnd, redend, fotografierend, betreten neugierig einen großen, heruntergekommenen alten Festsaal. Eine Bar wird hereingetragen und aufgestellt, ein Kühlschrank, Getränke,Knabbereien.
Performancekabinen und Hocker werden aufgebaut, Videoinstallationen werden eingerichtet, Sofalandschaften werden angeliefert. Performancekünstler treten auf, weitere Besucher kommen, permanent am reden, gestikulieren und debattieren. Einige tragen riesige Brillen, einige laufen oben ohne durch die Gegend. Mal wird es lauter, mal schreit jemand, mal lautes Gelächter, mal tosender Applaus – alles ist unübersichtlich – eine Veranstaltung der freien Theaterszene.
Der Fokus geht auf die Bar. Zwei junge Frauen bedienen die Besucher. Ein junger Mann kommt an die Bar. Er ist im Vergleich zu den Anderen unauffällig.
Er trägt eine Wollmütze und schwitzt ein wenig.
Barfrau: Na was darfs sein?
Junger Mann: Hi! Erstmal!
B: Ja, hallo, na was darfs sein??
J laut und plötzlich: Ein Becks!
B verdutzt: Ok, ein Becks.
J: Vielen vielen Dank! Wie gehts? Prost!
Er hebt seine Bierflache ruckartig nach oben, dabei spritzt etwas Bier aus der Flasche auf den Tresen und auf die Barfrau.
J lacht: Oh, das tut mir sehr leid meine Schöne, das wollte ich nicht, aber komm wir stoßen an
Die Barfrau fängt langsam an zu verstehen, dass es sich hier um irgendeine Art von Performance handeln muss, so wie sich dieser junge Mann benimmt. Sie versucht ihn abzuwimmeln.
B: Ach komm schon, hör auf!
J immer wilder: Mann, ich will jetzt mit dir anstoßen!
B genervt: Ist gut jetzt, ich muss arbeiten, hier laufen genügend Leute rum, mit denen du spielen kannst, ja?! Lass mich bitte damit in Ruhe jetzt.
Der junge Mann schlägt die Bierflasche ausversehen auf den Tresen, so dass sie zerbricht.
Er schneidet sich die Hand auf und fängt an zu bluten.
B: Och muss das sein? Jedes Jahr das selbe.
Der junge Mann blutet plötzlich auch aus den Ohren und aus dem Mund, er fällt auf den Boden und fängt an sich zu winden, schreit um Hilfe.
Ein paar Besucher kommen näher, einige bestellen sich noch ein Bier und gehen dann schauen. Man unterhält sich über die vermeintliche Performance. Man findet sie gut, inspirierend und echt. Nach Zehn Minuten ist die Show vorbei. Der junge Mann ist tot.
Eine seltene Krankheit.
Es wird abgebaut, der Raum leert sich. Der Leichnam wird noch ein paar mal fotografiert.
...
Samstag, 13. März 2010
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