Mittwoch, 17. März 2010

Atatürk oder AUF TÜRKISCH

I.

Wohnküche der Yildirims. Mutter bereitet das Mittagessen vor, Samira sitzt an einem Tisch.
Hamid kommt nach Hause mit einem offensichtlich leeren Rucksack.
Musik dröhnt aus seinem Handy.



MUTTER auf türkisch: Mach die Musik aus!

HAMID auf türkisch: Ja Mama.

MUTTER: Wie war Schule?

HAMID auf türkisch: Gut.

Hamid nimmt sich ein paar Teller aus dem Schrank und fängt an den Tisch zu decken.
Seine Mutter unterbricht ihn und übernimmt.

MUTTER auf türkisch: Geh dich waschen, das Essen ist gleich fertig.

Samira, die an einem anderen Tisch ihre Hausaufgaben macht, mischt sich ein.

SAMIRA: Können wir nicht einmal Deutsch miteinander sprechen?

Vater tritt ein.

VATER auf türkisch: Wann ist das Essen fertig?


.....

Der Strand der Dinge - Marcus/Köpfe

Sein steinig fahles, bleiches Gesicht, schwebte durch die Menge, die sich an diesem sonnigen Wintermorgen mit aufgesetzter Lässigkeit durch die steile Gasse der Altstadt quetschte, mit der alleinigen Absicht den Weihnachtsmarkt, der sich zwar in seiner Endphase befand, aber nichts von seinem Zauber verloren hatte, in aller Gemütlichkeit leerzuräumen.
Er hatte es eilig.
Keine Lust auf diesen Weihnachtsschnickschnack, diese Lichterketten, Rentiere, lachende Familien mit oder ohne Kinder, Großmütter, die noch langsamer liefen als der Rest, Pärchen, die händchenhaltend den Durchgang noch erschwerten; und am meisten störte ihn, daß er heute noch nichts geraucht hatte. Ja, ihm zuckte die Hand.
Und so entschied er sich, anstatt dem Rentnerpärchen vor ihm den Hals umzudrehen und ihrem gemütlichen, mittelständischen, äußerst schwäbischem Leben ein jähes Ende zu bereiten, sich lediglich zart am Kopf zu kratzen und sich Zentimeter für Zentimeter weiter die Gasse hochzuarbeiten.
Seine schwarze Wollmütze fühlte sich feucht und klamm an und er begann sich zu entsinnen.
Ja, schon als Kind hatte er immer - "Scheiße!"

Ein kleines blondes Mädchen, eine riesige Waffel in der Hand, war ihm soeben, mit allem was sie hatte auf seinen linken Fuß gestiegen, Noch ein verschmitztes Lächeln aus Puderzucker und weg war sie wieder - Er war mittendrin – ruhig bleiben - blitzte es kurz in ihm auf. Jetzt schon auf Höhe des Scientologystandes, mit seinen in roten Windjacken verkleideten Marketendern wie jedes Jahr auf Seelenfang. Noch circa fünf Meter bis zu den Treppen, die seitlich von der Gasse abgehen und links zur Stiftskirche hochführen, die, anders als der Weihnachtsmarkt unter ihr, an diesem Tag fast leer war. Wer würde jetzt, so kurz vor dem Ziel noch die Nerven verlieren?

Immernoch sein gelbes Gesicht,umrahmt von Kragen und Wollmütze. Eine Totenmaske.

Schweiß floss ihm allmählich über die Stirn und in die Mundwinkel, salzig wie Brezeln.
Der schwere Gebirgsjägerrucksack machte ihm zu schaffen. Einer wie die Jungs von der schweizer Armee ihn tragen. Grün, groß, mehr als fünfzig Liter Maximalvolumen, echtes Leder.
Er hatte die Treppen erreicht, und so stand er nun da wie Heinrich Harrer, oder wie ein schweizer Gebirgsjäger. Zwei Stufen reichten aus, um, auf dem Gipfel angekommen, das muntere Treiben unter ihm, die Szenerie, zu beobachten. Gebetsfahnen im Wind. Das Matterhorn.

Armeerucksack aus Leder, den Wollmützenschweiß im Gesicht - Ein Bild das ihm irgendwie passte.Ein letztes mal blickten seine wachen, braunen Augen die wegen der tiefen, schon fast wie Furchen anmutenden, geschwollenen Augenringe, noch wacher wirkten, so, als wären diese Augen das einzige, das ihm geblieben war, hinab auf diese Menschen, zu denen er nie gehören wollte. Er atmete durch, hielt kurz inne, um dann mit einer schnellen Bewegung, einer Pirouette, den Massen den Rücken zu kehren. Stufe für Stufe.Der Kirche zugewandt.

...

Dienstag, 16. März 2010

The Fridge / u-n-i verse.

you whisper
You
are
tremendous.

go
do honey together:
positive sun to love.

we are man,
woman,
sea.

kiss.
goddess!

Sonntag, 14. März 2010

Auf Geht`s

Die Französische Revolution befreite alle Insassen der Bastille.
Es waren sieben.
Davon zwei Geisteskranke.
Der Sturm der Bastille ist ein Sinnbild
der Revolution.

Samstag, 13. März 2010

Eine seltene Krankheit

Am Rande eines Theaterfestivals.

Auftritt Theaterfestival

Menschen aller Couleur, sich unterhaltend, Sektgläser aneinanderstoßend, lachend, lächelnd, redend, fotografierend, betreten neugierig einen großen, heruntergekommenen alten Festsaal. Eine Bar wird hereingetragen und aufgestellt, ein Kühlschrank, Getränke,Knabbereien.
Performancekabinen und Hocker werden aufgebaut, Videoinstallationen werden eingerichtet, Sofalandschaften werden angeliefert. Performancekünstler treten auf, weitere Besucher kommen, permanent am reden, gestikulieren und debattieren. Einige tragen riesige Brillen, einige laufen oben ohne durch die Gegend. Mal wird es lauter, mal schreit jemand, mal lautes Gelächter, mal tosender Applaus – alles ist unübersichtlich – eine Veranstaltung der freien Theaterszene.
Der Fokus geht auf die Bar. Zwei junge Frauen bedienen die Besucher. Ein junger Mann kommt an die Bar. Er ist im Vergleich zu den Anderen unauffällig.
Er trägt eine Wollmütze und schwitzt ein wenig.

Barfrau: Na was darfs sein?

Junger Mann: Hi! Erstmal!

B: Ja, hallo, na was darfs sein??

J laut und plötzlich: Ein Becks!

B verdutzt: Ok, ein Becks.

J: Vielen vielen Dank! Wie gehts? Prost!

Er hebt seine Bierflache ruckartig nach oben, dabei spritzt etwas Bier aus der Flasche auf den Tresen und auf die Barfrau.

J lacht: Oh, das tut mir sehr leid meine Schöne, das wollte ich nicht, aber komm wir stoßen an

Die Barfrau fängt langsam an zu verstehen, dass es sich hier um irgendeine Art von Performance handeln muss, so wie sich dieser junge Mann benimmt. Sie versucht ihn abzuwimmeln.

B: Ach komm schon, hör auf!

J immer wilder: Mann, ich will jetzt mit dir anstoßen!

B genervt: Ist gut jetzt, ich muss arbeiten, hier laufen genügend Leute rum, mit denen du spielen kannst, ja?! Lass mich bitte damit in Ruhe jetzt.

Der junge Mann schlägt die Bierflasche ausversehen auf den Tresen, so dass sie zerbricht.
Er schneidet sich die Hand auf und fängt an zu bluten.

B: Och muss das sein? Jedes Jahr das selbe.

Der junge Mann blutet plötzlich auch aus den Ohren und aus dem Mund, er fällt auf den Boden und fängt an sich zu winden, schreit um Hilfe.
Ein paar Besucher kommen näher, einige bestellen sich noch ein Bier und gehen dann schauen. Man unterhält sich über die vermeintliche Performance. Man findet sie gut, inspirierend und echt. Nach Zehn Minuten ist die Show vorbei. Der junge Mann ist tot.

Eine seltene Krankheit.


Es wird abgebaut, der Raum leert sich. Der Leichnam wird noch ein paar mal fotografiert.



...